David Spielmann hat 2017 mit seiner Frau Rahel den Verein Soulman gegründet. Er engagiert sich vorwiegend für Seniorinnen und Senioren und unterstützt sie unkompliziert und mit viel Herzlichkeit im Alltag. Als «Soulman» hat David Spielmann seinen Traumberuf gefunden.
Tristan von der Küchen-Crew sitzt am Tisch und bereitet das Gemüse vor. Zuerst werden die Karotten geschält und geschnitten, dann die Bohnen gerüstet. Seine Frau Anneliese steht hinter dem Herd und bereitet die Pilzrahmsauce zu. Pastetli mit Gemüse steht heute auf dem Menüplan des Mittagstischs des Vereins Soulman in Kölliken. Immer dienstags kommen rund 20 Seniorinnen und Senioren aus der Region in die Alte Wagnerei, um gemeinsam ein leckeres Mittagessen zu geniessen und sich auszutauschen. Viele von ihnen wohnen alleine und sind froh um die Gesellschaft. «Darum kommen viele auch meistens zu früh», sagt David Spielmann lachend. Er ist der Initiator des Mittagstischs. Auch diesmal treffen die ersten Gäste kurz nach halb zwölf ein, 40 Minuten bevor der erste Gang – Tomaten- und Nüsslisalat – serviert wird.
Der wöchentliche Mittagstisch ist eines von vielen Angeboten des Vereins Soulman. 2017 hat David Spielmann den Verein gegründet. «Ich will möglichst unbürokratisch und herzlich auf hilfsbedürftige Menschen zugehen und sie unterstützen», erklärt David Spielmann die Idee hinter dem Verein. «Ich will sofort helfen, ohne lange Abklärungen und ohne dass zuerst entschieden werden muss, wer nun die Kosten für meine Unterstützung trägt.»
Wer die Hilfe des «Soulman» David Spielmann in Anspruch nimmt, muss dafür nichts bezahlen. Die Aufwände von David und seiner Frau Rahel, die im Hintergrund des Vereins sehr viele Arbeiten erledigt, werden ausschliesslich über Spendengelder gedeckt. «Dieses Finanzierungsmodell ist für uns extrem wichtig. So können wir einen Gegenpol zu allen anderen Angeboten im sozialen Bereich bilden. Wir können uns voll und ganz von den Bedürfnissen der Leute leiten lassen und aus dem Bauch heraus entscheiden, wo unsere Unterstützung richtig ist.»
Diese unkomplizierte und sehr direkte Form der Unterstützung von hilfsbedürftigen Menschen – vor allem Seniorinnen und Senioren – hat David Spielmann bei seinen früheren Tätigkeiten vermisst. Seit Beginn seiner Zwanziger arbeitete er stets im sozialen Bereich. Nach der Schule von Clown Dimitri besuchte und absolvierte er die Filmschauspielschule in Zürich und eine Ausbildung als Theaterpädagoge. Danach arbeitete er neun Jahre lang in unterschiedlichen sozialen Institutionen. «Diese Arbeiten wurden mir mit der Zeit zu bürokratisch. Statt wirklich helfen zu können, verbrachte ich jeden Tag mehrere Stunden mit dem Schreiben von Berichten. So konnte ich meine Leidenschaft für die Arbeit mit meinen Mitmenschen nicht mehr ausleben», blickt David Spielmann zurück. Diese Erkenntnis war die Geburtsstunde des Vereins Soulman.
Von Anfang an ging David Spielmann «all in». Die Arbeit für seinen Verein soll nicht nur ehrenamtlicher Natur sein – er arbeitet seit Beginn vollzeitlich als «Soulman». Seine unkomplizierte Unterstützung kommt gut an. Schon nach kurzer Zeit war die Nachfrage gross. Zum Glück stieg auch die Zahl der vorwiegend privaten Gönnerinnen und Gönner des Vereins, so dass David Spielmann sich und seiner Frau für das grosse Engagement einen «bescheidenen Lohn» auszahlen kann, wie er sagt. Unterstützt werden die beiden von rund 30 Freiwilligen, die immer mal wieder mitanpacken. So wie Tristan und Anneliese, die am Mittagstisch kochen.
Das Engagement des Vereins Soulman umfasst ganz verschiedene Angebote. Neben dem Mittagstisch ist David Spielmann in der Region zwischen Aarau und Zofingen unterwegs und hilft den Seniorinnen und Senioren im Alltag. Beim Einkaufen, beim Spazieren, beim Arzt- oder Spitalbesuch. Oftmals sind es auch längere Gespräche – persönlich oder am Telefon. «Ich schenke den Leuten Zwischenmenschlichkeit. Je älter man wird, desto mehr fehlen im Alltag die Begegnungen und die kurzen Gespräche. Das will ich den Seniorinnen und Senioren zurückgeben, denn ich bin überzeugt, dass ihnen dieser Austausch sehr gut tut», sagt David Spielmann.
Die Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben ist schwierig. Fast jeden Abend verbringt er am Telefon und spricht mit Leuten, denen es gerade nicht so gut geht. «Das hat immer Platz bei mir. Ich gehe auch oft in der Nacht noch kurz raus, wenn es nötig ist. Unnötige Bürozeiten mit langem Berichteschreiben gibt es in meinem Job nicht», sagt David Spielmann. Diese Tatsache zeigt, mit wie viel Herzblut David Spielmann seine Tätigkeit als «Soulman» ausübt.
Die Herzlichkeit und Menschlichkeit, die Rahel und David Spielmann mit ihrem Engagement verbreiten, ist sofort erkennbar, wenn man das Vereinslokal in Kölliken betritt. Die Alte Wagnerei hat er mit seiner Frau in den letzten Jahren mit ganz viel Liebe zum Detail und mit der tatkräftigen Unterstützung von Freunden renoviert und gestaltet. Die alten Holzbalken, die das Grundgerüst des Gebäudes bilden, sind gut sichtbar. An den Wänden hängen Bilder von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Viele kleine Details wie die zu einer Pyramide aufgestapelten alten Konservendosen in der Küche, die historische Waage oder die verschiedenen Kronleuchter und Lampenschirme versprühen einen ganz eigenen Charme und tragen dazu bei, dass sich die Gäste des Mittagstischs sichtlich wohl fühlen.
Es wird diskutiert, gelacht, gegessen und getrunken. Ein Glas Wein oder auch zwei dürfen nicht fehlen. Schliesslich soll man den Moment gemeinsam geniessen. Es sind genau solche Momente, die David Spielmann in seinem Engagement bestätigen. «Es tut mir unglaublich gut, das pure Leben zu sehen und zu spüren. Meine Arbeit stärkt mich als Person. Ich kann von morgens bis abends anderen Menschen helfen – ich kann mir nichts Schöneres vorstellen», sagt er.